Ja, ich geb’s zu, ich spinn!

Manche würden wohl sagen, dass ich schon immer ziemlich spinnen konnte ;-) Aber das Handwerk mit der Handspindel beherrsche ich erst seit kurzem einigermaßen brauchbar. Und wie es so ist mit mir und neuen Handarbeitstechniken – es lässt mich nicht mehr los! Im Sommer hab ich ja von Inga in Heidenreichstein eine Kreuzspindel geschenkt bekommen. Die ist jetzt ziemlich lang rumgelegen, bis ich ihr auch noch 1kg süddeutsche Merinowolle im Kammzug (ursprünglich übrigens von Filzrausch) abgekauft habe und seitdem bin ich am werken. Einen Teil des ersten dicken Garns hab ich schon zu einem Täschchen für meine neue Kamera “vernadelt”. Mittlerweile hab ich aber festgestellt, dass mir dünnes Garn viel leichter von der Hand geht. Ist nur die Frage, was ich dann damit mach – zum Nadelbinden ist es eindeutig zu dünn, selbst wenn ich’s noch verzwirne! Vielleicht sticken oder weben… Dazu muss ich zumindest einen Teil noch (pflanzlich) färben (und schon wieder ein neues Projekt).

1kg Süddeutsche Merinowolle im Kammzug Mein erstes handgesponnenes Garn Mein erstes Garn So fein spinn ich schon

Nächste Anschaffungen (ich schiele Richtung Stefan) – eine Spindel mit rundem Wirtel, wie sie die Wikinger benutzten, und eine (historisch korrekte) Haspel. :-)

Mittelalterfest Heidenreichstein

So, endlich also mein Eintrag zum vergangenen Wochenende. Abgesehen davon, dass ich Montag und eigentlich auch Dienstag noch ziemlich geschlaucht war, find ich es immer recht schwierig, ein so intensives Erlebnis hier zusammen zu fassen. Hier jedenfalls auch ein Link zum allgemeinen Bericht auf Huscarl. Und auch gleich vorweg – ich hab natürlich keine Kamera mitgehabt, aber es gibt auf Huscarl zwei Galerien (und hoffentlich bald auch eine auf der Gungnirs Snata Homepage) Galerie1, Galerie2. Da könnt ihr “Findet Mækja” spielen – meines Wissens nach bin ich auf 17 Fotos zu sehen ;-)

Aber kommen wir zu den Fakten. Der Wetterbericht für Freitag und Samstag war furchtbar schlecht, dementsprechend hab ich mir ja noch eine Gugel zu meinem Umhang genäht und auch die lange Unterwäsche eingepackt (man weiß ja nie). Donnerstag Abend konnten wir die Zelte noch aufbauen, dann hat es zu regnen begonnen und bis auf kurze Pausen bis Samstag Abend nicht mehr aufgehört. Donnerstag war’s halb so wild – eben nicht viele Besucher, aber die Stimmung war noch recht gut. Mein Umhang und meine Schuhe haben dem Regen gut Stand gehalten und ich konnte mich auch zum Nähen aufraffen (hab mir ein Kopftuch genäht und ein grünes Valknut im Kettstich aufgestickt). In der Nacht auf Samstag wurde das Wetter so richtig schlecht. Morgens bin ich noch recht positiv aufgewacht und hab mich gefreut, dass es in den Fellen so kuschelig warm war. Dann hab ich entdeckt, dass am Fußende Wasser ins Zelt gekommen ist und mein komplettes Zeug (außer meinem Pyjama) nass war. Njala hat mir freundlicherweise ein Unterkleid geliehen und meine Kleider wurden auch einigermaßen schnell trocken, aber die Schuhe waren den ganzen Tag nass-kalt (wenn sich Leder erst mal volgesogen hat…). Da halfen dann auch die neuen Schurwolleinlagen nicht viel. Samstag Abend, pünktlich zur partiellen Mondfinsternis, riss es auf und blieb zum Glück dann auch die ganze Nacht und am Sonntag trocken, was einen ordentlichen Besucheransturm verursachte.

Soviel zum Wetter – hört sich jetzt wahrscheinlich nicht so toll an. Und trotzdem würde ich morgen gleich wieder fahren wollen! Ich hab so viele nette Leute kennen gelernt und einen lieben Freund gewonnen. Zum Beispiel habe ich Inga vom Mjöllnir-Clan das Nadelbinden gezeigt und sie hat mir eine Spindel geschenkt! Oder Uli der Schmied – ich hab ihn Samstag bei der Mondfinsternis kennengelernt und Sonntag hat er mir ein Messer geschmiedet, quasi nach Maß, nur für mich! Viclav hat mir Nadelrohlinge aus Buche geschenkt. Florian (der Chefredakteur von Huscarl) hat mir Samstag Mittag ein Verdauungsschnapserl spendiert, als ich wegen des “verschleppten” Hungers nichts zu Essen runtergebracht hätte. Bei Arduinnas Gefährten durfte ich das Bogenschießen probieren und dass ich einem von ihnen einen Knopf am Hemd angenäht habe, wurde mir mit einer Fußwaschung und -massage(!) vergolten! Dabei sei auch Beigarth erwähnt, der seine Beschützerrolle sehr ernst nahm und den “Masseur” keine Minute aus den Augen ließ, das Schwert immer griffbereit. Mir wurde so unglaublich viel Freundlichkeit zu Teil – danke euch allen! Und nicht zu vergessen allen Mitgliedern von Gungnirs Snata, die mich in keinem Moment spüren ließen, dass ich “nur” als Gast mit ihnen mit war – ich hoffe, ihr nehmt mich wieder einmal mit!

Ein paar Fotos gibt es doch, und zwar von den materiellen Mitbringseln dieses Wochenendes:

  • Das Kopftuch, bestickt mit einem grünen Valknut (passend zu meinem Trägerrock):

Kopftuch mit Valknut

  • Eine große und eine kleine Ringfibel (für Umhang und Gugel) aus Bronze von der Bockschen Werkstatt
  • Mein neues Messer (speziell für mich geschmiedet!) mit Griff aus Birke (den werd ich noch etwas nachbearbeiten) und einer von Martin genähten Scheide
  • Holzlöffel für künftige Märkte (hab zu fragen vergessen, welches Holz das ist)
  • Und die Spindel von Inga (ja, ich weiß, bei den Wikingern gab es keine Kreuzspindeln, aber zum Probieren find ich sie super!)

Ringfibeln Messer und Scheide Löffel Spindel

Ausstattungs-Update

Martin ist schon auf dem Weg nach Tschechien, ich bin noch eine Nacht daheim – höchste Zeit, dass meine Ausstattung fertig wird!

Gestern Abend hat Martin meine Schuhe noch fertig genäht. Sie sind natürlich weit nicht perfekt, aber das erste Paar, bei dem wir den Schnitt und alles selbst gemacht haben! Dementsprechend stolz sind wir auch. Am Wochenende wird sich zeigen, wie praxistauglich sie sind.
Wendeschuhe Wendeschuhe
Während Martin nähte, hab ich einen der Socken-Fehlversuche in einen Beutel umgearbeitet, in dem ich Kleinkram am Gürtel transportieren kann. Das wiederum geschah unter anderem mit einer neuen Nadel aus Haselnussholz (Danke Beigarth!), die ich beim sonntäglichen Training geschnitzt habe (links im Bild). Rechts daneben meine “alte” Nadel, die ich mal aus Holz aus dem Garten von Martins Eltern geschnitzt habe. Eventuell Zwetschge?
Beutel Selbstgeschnitzt!
Und da der Wetterbericht für das Wochenende leider schlecht ist und sich die nette Frau beim Textil Müller vermessen hat, habe ich mir aus dem überschüssigen Stoff meines Rechteckmantels auch noch gleich eine Gugel genäht (das kapuzenartige Ding ;-) ). Danke Aeringa für den Schitt! Am Bild schon in Kombination mit dem Umhang.
Gugel Gugel
So, jetzt muss ich nur noch die Schuhe mit Leinölfirniss und Bienenwachs einlassen, mir ein Kopftuch nähen und alles zusammenpacken, dann kann’s los gehen! :-)

Gungnirs Snata

Ich habe ja vor einiger Zeit mal erwähnt, dass wir eine Linzer Wikingergruppe entdeckt hätten und mit ihnen Kontakt aufnehmen werden. Wie das so ist im Internet, wurde ich, bevor wir Gelegenheit dazu hatten, “zurückentdeckt” – hier nachzulesen.

Mittlerweile sind ein paar Wochen seit der ersten Kontaktaufnahme vergangen, wir waren an den letzten Sonntagen immer bei ihrem Training dabei und wurden sehr nett von den Nordmännern und -frauen aufgenommen! :-) Konnte mich schon nützlich machen (ein paar kleinere Näharbeiten) und darf nächstes Wochenende mit ihnen auf den Markt in Heidenreichstein fahren und dort lagern (darum auch die Felle)! Bin schon sehr aufgeregt!

Martin kann leider nicht mitkommen, der ist auf einem Festival in Tschechien (wo unter anderem Mayhem spielen – muss jeder selbst entscheiden, was spannender klingt).

Das hier ist jedenfalls ihre Homepage.

Felle!

Ich muss sie mal herzeigen, meine hübschen Felle! Oben auf drei Schafsfelle, einigermaßen in Schafsform. ;-) Darunter drei “Fell-Patchworkdecken”. Die karierten sind sicher auch Schaf, bei der braunen bin ich mir nicht hundertprozentig sicher, weil die ist sooo kuschelig. Bin davon überzeugt, dass ich da dazwischen super schlafen werde :-D

Felle

Trivia: raha, das finnische Wort für Geld, hat ursprünglich Fell bedeutet.

Nadelgebundene Socken (oder so)

Nachdem ich letzte Woche beim Textil Müller supergünstige Schurwolle ergattert habe (€7 das Kilo!) und mein erster Versuch so toll geklappt hat, habe ich mich gleich an nadelgebundene Socken gemacht (kann ich ja auch bald brauchen). Geringelt, weil ich einfach auf Ringelsocken steh. Nur irgendwie hab ich’s beim Zunehmen am Anfang wohl zu gut gemeint und bin erst relativ spät draufgekommen… Bei Martins Kappe hat ja das Filzen zur perfekten Passform beigetragen, aber falls es überhaupt funktionieren würde, so viel “weg zu filzen”, wären die Socken wohl nachher viel zu dick. Hm.

Socken? Socken?

Ich werd wohl ein neues Paar anfangen, aber was mach ich mit den Angefangenen? Wegwerfen kommt nicht in Frage, auftrennen auch eher nicht (der größte Vor- und Nachteil von Nadelgebundenem: es lässt sich sehr schwer auftrennen), tut ja auch der Wolle nicht gut. Also – Vorschläge bitte! :-)

Nadelgebundene Kappe

Ich habe vor längerer Zeit schon mal das Nadelbinden ausprobiert, aber es wollte nicht so richtig klappen… Natürlich konnte ich das nicht auf mir sitzen lassen, startete am Sonntag einen neuen Versuch und siehe da – geht doch eh! Und so hat Martin nun endlich seine (lang versprochene) nadelgebundene Kappe aus brauner Schurwolle (Daumenfesselmethode, Oslo-Stich) bekommen. Um das Gewebe etwas zu verdichten (und um die Größe ein bisschen zu reduzieren) habe ich die genadelte Kappe schließlich mit warmen Wasser und Seife (natürlich selbstgesiedet ;-) ) gefilzt.

Hier das Ergebnis vor und nach dem Filzen:
Nadelgebundene Kappe, ungefilzt Nadelgebundene Kappe, fertig gefilzt

huscarl.at – Das unabhängige online-Magazin der österreichischen Mittelalterszene

Dieses hervorragende neue Portal war auch der Grund dafür, dass wir überhaupt vom Markt in Traun erfahren haben. Martin hat letzte Woche zufällig auf einem Auto einen Aufkleber mit der Adresse www.huscarl.at erspäht, was sich als großes Glück herausstellte! Mittlerweile habe ich dort nämlich neben dem ausführlichen Terminkalender eine Wikinger-Reenactment-Gruppe aus – man höre und staune - Linz entdeckt! Wir haben uns natürlich vorgenommen, auf einer der nächsten Veranstaltungen Kontakt zu knüpfen. Wer weiß, vielleicht wird endlich etwas mehr aus unserer Wikinger-Leidenschaft… :-)

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